Reisen · Afrika

Simbabwe — Die grünen Hügel

Vom Kariba-See durch das Land der Tongas bis zum Donner der Viktoriafälle: Harmonie, Wildnis und eine Nacht, in der die Hyänen näher kommen, als uns lieb ist.

Regenbogen über den Viktoriafällen

Die grünen Hügel

Im Slalom quälen sich unsere beiden Fahrzeuge um die vielen Schlaglöcher der roten Erdpiste. Wir schlagen am Ufer des Kariba-Sees unser Lager auf. Das Steppengras leuchtet in einem schmalen Streifen goldig-grün im späten Nachmittagslicht und trennt uns vom tiefblauen Wasser. Ein unendlicher Friede umgibt diese ruhende Fläche. In der Nähe ragt eine kleine bewaldete Insel aus der Stille empor, weit entfernt sind schwache Schatten – die geisterhaften Umrisse der grünen Hügel.

Es riecht frisch nach trockenem Gras, in dem Dutzende von Impalas äsen. Grau und prächtig spiralen die Hörner der Böcke gegen die Sonne. Schwarz-weiss-gestreift mischen sich ein paar Zebras dazwischen.

Elefant überquert die Strasse

Ein grosses Tierparadies

Eine grosse Büffelherde mit vielen Jungtieren zieht vorbei. Ich sehe die Hörner – mächtig und tödlich –, den tief gesenkten Scheitel, die kleinen Augen, den Wulst von Fett und Muskeln auf dem dünn behaarten Nacken. Und die gedrängte Kraft.

Rosarote, kahlköpfige Marabus mit weissen Kragen und schwarzen Schwingen stolzieren vor uns durch, andere gleiten knapp über die Baumwipfel. Im Geäst sitzt ein Wiedehopf und bereichert das Gezwitscher mit seinen heiseren «Huup-Huup»-Lauten. Während die Sonne sich senkt, zeichnen blasse Farben die Hügelketten weich, bis uns das herrliche Schauspiel des Sonnenunterganges einhüllt – helle Pastelltöne, glitzernde Wolkenränder wie Laserstrahlen. In dieser Einfachheit der Farben und Formen kann man die Welt vergessen.

Wenn „Harmonie" in der heutigen Zeit noch etwas aussagen soll, dann muss es das sein, was wir hier und jetzt erleben dürfen.

Sonnenuntergang über SimbabweAntilope am Wasserloch im Abendlicht

Am Ursprung des Lebens

In dieser Idylle ruft Afrika in mir: ein Gefühl, das man auf dem schwarzen Kontinent noch entdecken kann – ein Gefühl des Traumes und der Unwirklichkeit, am Ursprung des Lebens angelangt zu sein. Es beherrscht uns auch auf der Fahrt durch das Land der Tongas. Den ganzen Tag schlängelt sich die Piste durch weich gerundete, bewaldete Hügel und Täler. Hinauf und hinunter, rundherum und wieder hinauf. Auf allen Seiten bilden die grünen Hügel lange geschwungene Linien am Horizont. Diese quälende Pracht zieht sich hunderte Kilometer dahin, bis bezaubernde Muster bewirtschafteter Felder die sanfte Schönheit unterbrechen.

Ulkige Pfeifen

Ausgedehnte Felder mit reifer Gerste liegen Seite an Seite mit rot-brauner, frisch gepflügter Erde, mit Flächen weiss getupfter Baumwollstauden und mit saftigem Weideland, wo Herden buntscheckiger Ziegen grasen. Die vielen kleinen Tonga-Kraals mit ihren Strohdächern und den auf Stelzen stehenden Getreidespeichern wirken ursprünglich unter den ehrfurchtgebietenden Baobabs.

Ernte-Arbeiter pflücken die weissen Watteknäuel der Baumwolle, andere schneiden Hirse, Hirtenjungs trällern vor sich hin und Frauen schwatzen, gebeugt unter dem Gewicht ihrer Kopflasten, und ziehen ab und zu genüsslich an ihren Kalebassen-Pfeifen – bauchig wie eine Grapefruit, mit einer dünnen Banane als Stiel.

Vater und Sohn am frühen Morgen in der LodgePorträt unseres Sohns auf der Reise

Den Hund in Sicherheit gebracht

Mit der für uns inzwischen üblichen Geschwindigkeit wird es finster und eine angenehme Kühle breitet sich aus. Die Nacht ist schwarz und unwahrscheinlich in ihren Geräuschen, das Konzert der rauhen Wildnis beginnt: das Grunzen und Gorpsen der Flusspferde, das Kreischen der streitenden Affen, das tiefe asthmatische Löwengebrüll – manchmal weit her, dann wieder bedrohlich nah –, das millionenfache Zirpen der Zikaden und die holzxylophon-ähnlichen Melodien einer unbekannten Insektenart. Dann auf einmal das wehklagende Jaulen einer Hyäne, ganz nah und durchdringend. Unser Hund Mex schlägt an und ist kaum mehr zu beruhigen.

Ein Schatten huscht vor unserem Auto durch und bleibt nur ein paar Meter weiter stehen. Mit dem Lichtstrahl einer Taschenlampe funkeln wir in die hinterlistige Fratze einer ausgewachsenen Tüpfelhyäne. Schnell bringen wir Mex im Auto in Sicherheit – sein Geruch hat das kadaverfressende Tier angelockt, er wäre ein leichtes Opfer. Wir steigen ins Dachzelt und beobachten lange noch die im Lichtstrahl grün aufleuchtenden Augen der Hyäne.

Microlight über den Viktoriafällen

Microlight im AbendhimmelMicrolight landet auf der Buschpiste
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