Schatzhaus Al-Khazneh in Petra, aus dem Fels gehauen – Foto von Yvonne Frei

Reisen · Jordanien

Von der Mosesquelle zum Beduinenlager.

Im Mitsuchüeli durch Jordanien: eine grüne Quelle mitten in der Steinwüste, das Tote Meer, das uns schwerelos trägt, und drei schwarze Beduinenzelte zwischen den Felstürmen vor Petra.

Die Mosesquelle

Am Horizont zeigt sich ein erster heller Streifen, die Ankündigung des Tages und Aufforderung zum Morgengebet der Moslem. Wir fahren durch eine karge Wüstengebirgslandschaft, braun und steinig. Geblendet von dieser atemberaubenden Gegend leuchtet unverhofft ein grüner Fleck inmitten der trotzigen Wüste auf, wie aus dem Schoss der Erde gebrochen. Die Mosesquelle – eine Höhle, so rücksichtslos grün und lebendig. Ein Bach entspringt, das Wasser sprudelt kalt und klar ins Tal hinab. Eine Ziegenherde kommt zum Trinken, um danach wieder weiterzuziehen. Es ist ein Ort der Stille und Reinheit – würde nicht so viel Plastik herumliegen. Was für eine Demütigung für die Natur!

Sandstein in warmen Brauntönen, verschlungene Strukturen
Wirbelnde Sandsteinschichten in Rot, Ocker und Weiss

400 Meter unter dem Meeresspiegel

Über eine sehr steile Strasse schlängelt sich das Mitsuchüeli über Serpentinen 400 Meter unter den Meeresspiegel dem Toten Meer zu. Raphaels Kopf ist nicht mehr bereit, neue Eindrücke ungefiltert einzulassen. Für uns ein Alarmzeichen, eine Reisepause in einem Hotel einzulegen. So verbringen wir einige Tage am Toten Meer und sind jedes Mal von neuem überrascht, wenn unsere Körper schwerelos auf der Wasseroberfläche schweben. Gegen Abend führt unser Weg dem Toten Meer entlang: zur einen Seite das blasse Blau des Wassers, zur anderen recken sich steile Gipfel dem Himmel entgegen, in allen Farben des Sandsteins.

Mitsuchüeli im engen Wadi mit steilen Felswänden – Schwarzweiss
Mit dem Mitsuchüeli durch das Wadi – auf dem „Kings Highway“ Richtung Petra.

Petra – verborgen im Talkessel

In einem Talkessel zwischen steilen Felshängen liegt verborgen Petra. Durch den engen Siq, vorbei an Wänden, die im Morgenlicht in allen Farben des Sandsteins leuchten, öffnet sich plötzlich der Blick auf das Schatzhaus – aus dem nackten Fels gehauen, wie aus einer anderen Zeit gefallen.

Der enge Siq, schmaler Felsgang zum Eingang von Petra
Schatzhaus Al-Khazneh in Petra mit Besuchern davor

Rast im Beduinenlager

Etwas ausserhalb der Stadt, in der Wüste, entdecken wir ein Beduinen-Camp. Umgeben von kugeligen Felstürmen stehen in einem natürlichen Hof drei grosse schwarzbraune Beduinenzelte. Der Stoff ist traditionell aus Kamelhaar gewoben, mit Teppichen und bunten Kissen ausgestattet. Hinter einem dieser Zelte verbirgt sich eine in den Felsen gehauene Nische. Am Boden mit Teppich ausgelegt, mit farbigen Matratzen, Kissen und niedrigen Tischen – wir werden in eine neue Welt entführt: in die Welt der Beduinen. Sie sind stolze, kluge und sehr freundliche Menschen, nicht geprägt von Zahlen, Eile und Unruhe. Bei ihnen bestimmen Sonne und Mond, Regen und Hitze, Kamele und Ziegen, Chai und Fladenbrot das Leben.

Raphael spielt im Beduinenzelt mit Spielzeugauto auf gemusterten Teppichen
Zwei Beduinen mit Kufiya in Schwarzweiss-Portrait

Wadi Rum & Sternenhimmel

Unser liebenswürdiger Gastgeber bringt uns am Abend eine Kanne sehr süssen Beduinen-Tee, welcher in Raphael schnell einen Abnehmer findet. In der Nacht wird es kühler. Vom Dachzelt aus schauen wir zu dem nur in der Wüste so unvergesslich schönen Sternenhimmel und lassen uns von den verglühenden Sternschnuppen verzaubern. Zwei Petroleumlampen werden am Fusse unserer Leiter aufgestellt und brennen schützend die ganze Nacht. Was für eine wundervolle Erfahrung!

Rote Sandstein-Berge im Wadi Rum mit Düne und tiefblauem Himmel
Raphael sitzt lachend in einer ausgehöhlten Sandsteinnische
Mann auf rotem Sandsteinfelsen im Wadi Rum, lacht in die Sonne