
Reisen · Botswana
Kalahari. Salzpfannen. Okavango.
Mit einem Glas Rotwein in der Hand sitzen wir vor unserem «Frodofant», schauen in die Weite der Kalahari und lassen uns berauschen von der untergehenden Sonne und der Stille. Draussen in den Salzpfannen äsen Impalas, Oryx und Schakale, und mit der Kühle kommen die Geräusche der Nacht.
Kalahari
Überwältigt waren wir in den ersten Tagen von der Einsamkeit und der Stille. Nur Tiere waren zu hören. Unser Geist kam aus einer lärmverschmutzten Welt und unsere Köpfe mussten sich zuerst leeren, bevor wir wieder hören konnten. Am ersten Abend, ganz alleine in der unendlichen Weite der Kalahari, in einer flachen Pan, glaubten wir ein Rauschen in unseren Ohren zu vernehmen. Wir brauchten Zeit, um uns an die Stille zu gewöhnen.


Mit der untergehenden Sonne kam die Kühle und mit ihr die Geräusche der Nacht. Die Sterne erschienen nach und nach und ein unvergessliches Sternenzelt spannte sich über uns, wie es nur die Wüste zaubern kann. Unerwartet nahe hörten wir plötzlich das dumpfe Brüllen eines Löwen. Zeit für mich, ins Dachzelt hinauf zu steigen.
Wir fuhren durch sandige Pisten von Pan zu Pan, konnten im Morgenlicht eine grosse Giraffenfamilie beobachten und sahen verschiedene Antilopen, Perlhühner und Gnus. In Molose standen wir mit unserem Fordofant am Wasserloch und erfreuten uns an den vielen Vögeln. Afrika pur von seiner schönsten Seite.



Querung mit Risiko
Von der alleinigen Querung der Kalahari wird abgeraten, denn die 270 Kilometer lange üble Piste ist mehr als einsam und bei einem technischen Problem muss man mitunter lange auf Hilfe warten. Wir waren hin und her gerissen, ob wir die Querung wagen sollten. Andererseits hätten wir sonst über 800 Kilometer auf eintönigem Asphalt um die Zentral-Kalahari herum fahren müssen. Marcel entschied sich für «ab durch die Mitte».
Je weiter wir voran kamen, umso mehr drängte sich der Busch wie ein Korridor an die Piste, so dass es links und rechts schrecklich am Auto kratzte. Nach einer Bodenwelle wurde der 40-Liter-Dieselkanister vom Dach geworfen und drückte direkt das Canopyfenster ein. Wir verschlossen die Öffnung mit Plastik und fuhren so schnell wie möglich weiter, um unser Ziel noch vor Dunkelheit zu erreichen.


In der Dämmerung, nach über elf Stunden Fahrt, erreichten wir das Camp. Unter einer wunderschönen Schirmakazie stellten wir das Dachzelt auf, entzündeten ein Lagerfeuer und genossen die vollkommene Idylle einer afrikanischen Nacht. Noch lange hielten sich Leoparden in der Nähe auf, fauchten in die Dunkelheit und verzauberten uns in eine längst vergessene Zeit.
Okavangodelta
Da das Okavangodelta zum Kalahari-Becken gehört, wollte Marcel als innigen Wunsch dieses Naturschauspiel aus der Vogelperspektive sehen. Der Okavango entspringt im westlichen Bergland von Angola, schwillt zu einem mächtigen Strom an und findet dann den Weg ins Meer nicht. Stattdessen mündet er in das Sandmeer der nördlichen Kalahari, um dort in unzähligen Armen, Kanälen und Tümpeln zu verdunsten.
Wir entschieden uns schliesslich für einen einstündigen Helikopterflug ohne Türen, mit freier Sicht über das Schwemmgebiet. Es war ein eindrückliches Erlebnis: erst die trockene, braune Savanne, dann das Farbspiel von Braun zu Olivgrün dort, wo das Wasser steht. Inseln aus grünen Bäumen und Sträuchern reihten sich ungeordnet in die weite Ebene, und aus der Luft erkannten wir Impalas, Giraffen, Zebras und Warzenschweine.





