
Reisen · Ägypten
Ägypten hautnah
Mit dem Mitsubishi ins Land der Pharaonen
Allgemein gilt Ägypten als das klassische Land der Pauschaltouristen. Unser Interesse aber gilt dem alltäglichen Leben am Nil – und der Grenze, an der die Sahara wie mit dem Messer geschnitten ins Smaragdgrün der Felder übergeht.
Die unendlich goldgelbe Fläche der Sahara. Und mitten durch verläuft ein breiter, intensiv grüner Gürtel von Feldern und Plantagen, die an dem in sanften Bögen dahinströmenden Nil liegen. Hier stehen die letzten Pflanzen einer Plantage – und dann beginnen gleich die Wellen der Wüste.
Mit der Fähre nach Nuveiba
Nach einem dreistündigen Marathonlauf durch alle verschiedenen Büros werden wir endlich ins Land der Pharaonen eingelassen. Wir tauchen in Dahab in das tiefblaue Meer am Golf von Akaba, um die Unterwasserwelt der Korallenriffe zu beobachten. Raphael ist völlig aus dem Häuschen, als er die vielen kleinen „Nemos" entdeckt. Wir erleben die gewaltigen Felsengebirge, die sich in den Trockentälern des Sinai gegen den Himmel türmen.

Kairo – ein Riesenlabyrinth
Dann erreichen wir Kairo. Ein Riesenlabyrinth, das überquillt von Lärm, Menschen, Autos, Dreck, in dem neben Hochhäusern das Leben in Lehmhütten wie vor Tausenden von Jahren dahinplätschert. Die durch und durch arabischen Bazare verströmen alle Wohlgerüche des Orients, und der chronische Verkehrsstau verdüstert zusammen mit allen anderen Luftverpestern den Himmel.
Für uns als Selbstfahrer ist Kairo eine ganz besondere Herausforderung. Grundsätzlich ist alles erlaubt auf der Strasse: Plötzliches Ausscheren, Abbiegen, Bremsen, Wenden, Stehenbleiben, in zweiter oder dritter Reihe mitten auf der Fahrbahn anhalten oder parkieren, rechts oder links überholen. Jede Fahrt ist ein prickelndes Erlebnis – und das Vorankommen wird hauptsächlich von der Risikobereitschaft jedes Fahrers und ganz wichtig von der Lautstärke der Hupe bestimmt.


Im Niltal nach Süden
So bewegen wir uns langsam durch das emsige, ameisengleiche Gewimmel im Niltal dem Süden zu. Wir folgen dem Netz von Flüssen und Kanälen, das den Ägyptern seit Generationen ihren Lebensunterhalt spendet. Wir kommen an Städten und Dörfern vorbei mit ihren Menschen, den Fellachen – arabischen Bauern. Sie sind fröhliche und herzliche Menschen.
Die Tage gehören vom frühen Morgen bis zur Dämmerung der Feldarbeit. Erst am Abend kehrt wieder volles Leben im Dorf ein. Die Männer schlürfen Tee oder türkischen Kaffee und rauchen Wasserpfeife im Kaffeehaus. Ich bewundere die arabischen Frauen in wunderbar fliessenden Schleiern aus feinbedruckten Stoffen – in Schichten eingehüllt wirken sie weiblich und zugleich auf eine geheimnisvolle Weise bescheiden.


Karnak und Luxor

Wir kommen in Luxor an. Unerbittlich kommt die Stunde des Abschieds und verkündet die Zeit der Einsamkeit. Marcel und Raphael fliegen von hier zurück in die Schweiz. Eine letzte Umarmung, ein letzter Blick – und der Schmerz bemächtigt sich meiner Verzweiflung. Schönheit und Grausamkeit, Liebe und Verzicht, Freude und Trauer durchziehen meinen Körper wie das eigene Blut.
